Geleit für den Monat Februar

hl. Petrus

Liebe Freunde und Wohltäter!

Im Alten Testament können wir im Zusammenhang von Reue und Umkehr öfter davon lesen, wie die Menschen ihrer Bußgesinnung mit drastischen Maßnahmen Ausdruck verliehen haben. Weil man vollständig mit der Sünde brechen wollte, sollte der eigene Leib auch diese innere Umkehr zu spüren bekommen. Da ist dann die Rede vom Zerreißen der eigenen Kleider, die man gerade am Leibe trägt, vom sich Kehren in Sack und Asche oder auch vom strengen Fasten über eine längere Zeit hinweg. Manchesmal aber geschahen diese Zeichen der Buße und Umkehr nicht aus eigenem Antrieb, sondern nachdem Gott dem sündigen Menschen mit einer gerechten Strafe gedroht hatte. Indem der Mensch dann vom sündigen Tun abließ und Buße tat, wollte er so Gott besänftigen und die wohlverdiente Strafe von sich abwenden. Exemplarisch steht dafür die Androhung der Zerstörung der Stadt Ninive. Gott befahl dem Propheten Jonas, in diese Stadt der Sünde zugehen und dem lasterhaften Volk die bevorstehende Strafe der Vernichtung zu verkünden. „Jonas begann, in die Stadt hineinzugehen; er ging einen Tag lang und rief: Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört! Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an. Als die Nachricht davon den König von Ninive erreichte, stand er von seinem Thron auf, legte seinen Königsmantel ab, hüllte sich in ein Bußgewand und setzte sich in die Asche.“ (Jonas 3,4) Natürlich ist der christliche Gott kein Gott, der voller Zorn nach Rache dürstet. Wohl aber ist Er ein gerechter Gott, der das Böse zu strafen weiß. In Gal 6,7 heißt es: „Täuscht euch nicht: Gott läßt seiner nicht spotten; denn was der Mensch sät, wird er auch ernten.“ Aber gegen diejenigen, die mit ihrer Reue und Umkehr ernst machen, ist der Gott des Alten und des Neuen Bundes ein barmherziger Gott. So lesen wir auch beim Propheten Jonas ein wenig weiter: „Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, daß sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er tat es nicht.“ Weil Gott nicht den Tod des Sünders will, sondern seine Bekehrung, weil Er will, daß der reuevolle Sünder lebt, deswegen ist Er kein Gott, der erbarmungslos nach Opfern dürstet und dessen Zorn sich nicht besänftigen läßt, wenn man sich demütig Ihm nähert. „Du erbarmst dich aller, o Herr, und hassest keiner deiner Geschöpfe. Du siehst hinweg über die Sünden der Menschen um ihrer Buße willen und schonst ihrer weil du der Herr unser Gott bist“ – so betet die Hl. Kirche zu Beginn der Hl. Messe am Aschermittwoch und leitet damit zugleich die heilige Fastenzeit ein. Mit dem Empfang des Aschenkreuzes treten wir in diese Zeit des Heiligen Fastens ein und geben dadurch zu erkennen, daß auch wir es mit unserer Umkehr ernst meinen. Zwar zerreißen wir nicht unsere Kleider, doch aber unser Herz. Zwar kleiden wir uns in kein Sackgewand, doch aber hüllen wir unsere Seele in das Gewand des Reueschmerzes. Auch halten wir kein strenges Fasten wie das Volk von Ninive, doch aber entsagen auch wir der Bequemlichkeit und dem Luxus dieser Welt durch unser Verzicht und Opfer in dieser Zeit. So halten wir Abstand zur Welt und zu unserem alten Ich und gehen auf unseren Herrn zu. Das Brevier leitet dazu an und schärft dem Beter während der gesamten Bußzeit ein: „Suche den Herrn, solange Er zu finden ist. Rufe Ihn an, solange Er nahe ist!“ Und die Suche nach dem Herrn oder das Ihn Anrufen zeigt sich in unserer Umkehr, in unserer Buße und in unserem Verzicht. Der Hl. Josemaría Escrivá sagt über die Fastenzeit: „Der Geist der Buße besteht vor allem darin, daß wir die zahlreichen Kleinigkeiten, die uns jeden Tag auf unserem Weg begegnen – irgendein Tun, ein Ver- zicht, ein Opfer, ein Dienst – in Akte der Liebe oder der Reue verwandeln. Diese Kleinigkeiten, zu Abtötungen geworden, bilden am Ende des Tages einen wunderschönen Strauß, den wir Gott darbringen... Vergrabe durch die Buße deine Nachlässigkeiten, Beleidigungen und Sünden in der tiefen Grube, die deine Demut öffnet. Denn so vergräbt auch der Bauer die faulen Früchte, die trockenen Äste und das gefallene Laub am Fuße des Baumes, der sie hervorbrachte. Was unfruchtbar, ja, was schädlich war, trägt nun wirksam zu neuer Fruchtbarkeit bei. Lerne, Schwung aus dem Sturz zu holen: Leben aus dem Tode.“

Mit priesterlichem Segensgruß

hl. Petrus

Ihr P. Gregor Pal FSSP

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