Geleit für den Monat November

hl. Petrus

Liebe Freunde und Wohltäter!

Allerseelen, der Tag des Gedenkens und des Gebetes für die Seelen unserer Verstorbenen, am Tag nach dem Allerheiligenfest, hat dem Monat November sicherlich seine hauptsächliche Prägung gegeben. Der Monat November birgt aber trotz dieses Schwerpunktes zu Monatsanfang noch eine Fülle anderer Heiligenfeste und besonderer Tage, die im Kalender des kirchlichen Jahreslaufes von Bedeutung sind. Besonderes Augenmerk sei hier auf die Weihefeste von dreien der vier Patriarchalbasiliken Roms gelegt. St. Johann im Lateran, die Erzbasilika des allerheiligsten Erlösers, wie die eigentliche Bischofskirche des Papstes korrekt heißt, begeht den Tag ihrer Weihe am 9. November, die beiden Apostelbasiliken, St. Peter am Vatikan und St. Paul vor den Mauern begehen ihren Weihetag gemeinsam am 18. November. Was aber bedeutet es, eine Kirche, ein Gotteshaus zu weihen und warum ist dies so denkwürdig, daß die gesamte Kirche diese Tage durch die Jahrhunderte feiert? Die Antwort ist eigentlich einfach, doch die Folgen aus dieser Antwort sind sehr umfangreich. Weihen, konsekrieren heißt aussondern von einem jeglichen menschlichen Gebrauch und der Sache einzig allein Gott für seinen Gebrauch zu übereignen. Das Gebäude einer Kirche wird durch die Weihe von einer, zu klassischen Zeiten schönen, heute eher bedingt schönen, Halle zum Gotteshaus. Dieses Gebäude ist Gott geweiht, dieses Gebäude gehört Gott, damit er innerhalb der Mauern dieses Gebäudes einen sichtbaren, einen abgesonderten Platz hat, an dem er uns seine Gnaden schenken kann. Die, ebenfalls geweihten, Altäre der Kirche sind der Ort, an dem er durch die Hand seiner Priester tagtäglich sein Kreuzesopfer gegenwärtig werden läßt. Der Tabernakel ist der Ort, an dem er zu jeder Zeit unter der Hülle der Gestalten des Allerheiligsten Altarssakramentes bei uns bleibt bis zum Ende der Welt. Der Taufbrunnen birgt das zu Ostern oder Pfingsten geweihte Taufwasser, das aus den Kindern des Teufels Gotteskinder macht. Der Beichtstuhl ist jener Ort, wo dem in die Sünde Gefallenen wiederum Nachlaß seiner Schuld gewährt wird und er gestärkt mit der Gnade erneut eintreten kann in den Kampf um den Siegespreis des ewigen Lebens. Diese und noch ein unzähliges mehr an Gnaden wird uns in unseren Gotteshäusern zu teil. Dafür dürfen wir zuerst einmal dankbar sein, diese für Gott ausgesonderten Orte besitzen zu dürfen. Aus diesem Ausgesondertsein für Gott erwächst uns aber eine große Verpflichtung unseren Gotteshäusern gegenüber. Auch wenn die Kirchen oftmals die größten Hallen sind, die für gewisse Anlässe zur Verfügung stehen, bleiben sie doch Gotteshaus. Deutlich zeigt das Evangelium bei der Tempelreinigung, was der Erlöser denkt über weltliche Dinge im geheiligten Ort: „Mein Haus soll ein Bethaus sein, ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.“ Dieser Vorwurf gilt ohne jede Verkürzung zu allen Zeiten und lädt uns ein, unseren eigenen Umgang im Gotteshaus zu überdenken. Denn dieses Haus gehört Gott und wir dürfen seine Gäste sein in diesem Haus, es ist ausgesondert für heilige Handlungen und ihnen soll es dienen. Daher muß es das Anliegen eines jeden Katholiken sein, alles aus dem Gotteshause fern zu halten, das der Würde und Heiligkeit dieses Hauses nicht entspricht. Gerade die Kirchweihfeste der drei großen Kirchen Roms in diesem Monat sollen uns diesen Gedanken erneut ans Herz legen. Der alte Satz: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, wo deine Ehre wohnt“, möge so auch uns zu einem echten Bekenntnis unserer Gesinnung werden.

Mit priesterlichem Segensgruß

hl. Petrus

Ihr P. Florian Grafl FSSP

© Priesterbruderschaft St. Petrus, Wien - Österreich