Geleit für den Monat Juni

hl. Petrus

Liebe Freunde und Wohltäter!

So wie Maria die Morgenröte ist, die Christus der wahren Sonne vorausgeht, so geht auch der Marienmonat Mai mit seinen blühenden Frühlingstagen, dem Herz-Jesu-Monat Juni mit seinen heißen Sommertagen voran. Das Herz Jesu Fest, am Freitag nach der Oktav von Fronleichnam, bildet gleichsam das Zentrum dieses, dem Heiligsten Herzen Jesu geweihten, Monates. Die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu soll nun nach dem Willen der Kirche nicht nur ein Randbereich der katholischen Frömmigkeit sein, sondern gleichsam sein Zentrum bilden. Denn es geht dabei um das Entscheidendste des Christentums, nämlich um die Person Jesu Christi unseres Erlösers. Wenn es im Brevier heißt, daß die Herz Jesu Verehrung ihren Siegeslauf „in der Zeit, als die Liebe zu erkalten begann“ antrat, so kann man dies durchaus auch mit unseren heutigen Tagen vergleichen. Denn um nichts ist es heute schlechter bestellt als um das Wissen um die Person unseres Erlösers. Viele Dinge werden behauptet, alles Mögliche erfunden und hineininterpretiert, nur um nicht zum Glauben an diesen wahren Sohn Gottes kommen zu müssen. Gerade der Herz-Jesu-Monat, der ja auf die Verehrung dieses gottmenschlichen Herzens als des Sinnbildes der Liebe abzielt, muß uns ein Ansporn sein, sich wieder vertieft mit diesem Jesus Christus zu beschäftigen, denn „ohne ihn können wir nichts tun“. Wie oft beten wir im großen Glaubensbekenntnis „aus dem Vater geboren vor aller Zeit, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt und nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater. ... für uns und um unseres Heiles willen ist er vom Himmel herabgestiegen und Mensch geworden“. Wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich lehrt über ihn das Konzil von Chalcedon. Weder sind göttliche und menschliche Natur vermischt, wie es die Griechen von ihren Heroen annahmen, noch ist die Person geteilt. Wie uns die Theologie lehrt, können wir bei den Geheimnissen unseres Glaubens mit dem Verstande stets soweit gelangen, daß sie keinen Widerspruch in sich darstellen. Was uns der Verstand aber nicht abnehmen kann, ist die Zustimmung zu den Glaubensinhalten. Hier muß ich glauben um der Autorität des sich offenbarenden Gottes willen, der „weder irren noch irreführen“ kann. Das Heiligste Herz Jesu nun als Gegenstand frommer Verehrung will uns diese Glaubenszustimmung erleichtern, denn es zeigt uns die Liebe, die Gott zu uns Menschen hat, in recht anschaulicher und ansprechender Weise. Das Herz, nach allgemeinem Sprachgebrauch der Heiligen Schrift, wie auch der Umgangssprache ist der Sitz aller jener Affekte, die einen Menschen ausmachen, ihn liebenswert und ansprechend, oder eben auch ablehnenswert, erscheinen lassen. Das Herz Jesu zeigt uns nun eine Liebe zu uns Menschen, die ohne Maß ist. Denn diese Liebe war sogar bereit für unsere Versöhnung mit Gott, den letzten Blutstropfen im Tod am Kreuz auf Golgotha zu vergießen. Und diese Liebe wartet auf unsere je eigene Antwort, und die kann nur heißen, Gegenliebe. Gegenliebe aber heißt nach dem Evangelium in aller Deutlichkeit: Halte die Gebote. Hierin will uns der Herz-Jesu-Monat nun wieder neu bestärken und ermuntern, einerseits sich wieder mehr in die Erkenntnis des wahren Sohnes Gottes zu vertiefen und andererseits diesem eingeborenen Sohn Gottes unsere Gegenliebe durch das Halten seiner Gebote zu bezeugen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen gesegneten Herz-Jesu-Monat.

Mit priesterlichem Segensgruß

hl. Petrus

Ihr P. Florian Grafl FSSP

© Priesterbruderschaft St. Petrus, Wien - Österreich