hl. Petrus

GELEIT (Juli)

Liebe Freunde und Wohltäter,

es war sicherlich kein Zufall, als sich am 15. Juni 1675 der Heiland zum dritten Mal der Ordensschwester Margareta Maria Alacoque zeigte und dabei auf seine Brust verwies: „Sieh dieses Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat, daß es nicht gespart, sondern sich ganz erschöpft und verzehrt hat, um ihnen seine Liebe zu beweisen“. Denn das Gottesbild des 17. Jahrhunderts war dank Jahrzehnten unheilvoller protestantischer und jansenistischer Irrungen geprägt von Kälte, Ferne und Enge. Da tritt Gott selbst auf und sagt, seht her, ich habe ein Herz für den Menschen und daher berufe ich Ihn zu seelischer Wärme, Gottesnähe und Herzensweite.

Als Getaufte haben wir Zugang zu ihm gefunden und dürfen in vertrauensvoller Freundschaft mit ihm Umgang haben. Genau betrachtet handelt es sich dabei zunächst um zwei Parteien, zwischen denen ein unendlicher Abstand besteht. Doch in seinem göttlichen Herzen, dem Kristallisationspunkt erlösender Liebe, wird diese Ungleichheit überwunden – und das allein aus Gnade. Auf dieser fundamentalen Ebene christlichen Lebens beginnt sich dann die Berufung zu individualisieren: für die einen zum ehelichen Leben, für die anderen zum geistlichen Stand; für jeden aber mit einer je unterschiedlichen sozialen und apostolischen Verantwortung. Von dem eingangs erwähnten Datum her ist es ein schöner Brauch, in den letzten Tagen des Monats Juni die Priesterweihe zu spenden, da der Priester doch zu nichts anderem berufen ist, als die Reichtümer und Schätze des göttlichen Herzens zu erschließen und auszuteilen.

Am 26. Juni wurden nun drei meiner Mitbrüder aus dem europäischen Raum zu Priestern geweiht. Es liegt auf der Hand, daß sich auf diesen Moment viele lange Jahre des Prüfens und Ringens vereinen. Mit Schiller ließe sich vielleicht über diesen Zeitraum sagen: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet!“ Für all diejenigen, welche sich bereits gebunden haben gilt: Jetzt sorge aber auch dafür, daß sich dein Herz zum Herzen findet.

Einen dieser Kandidaten habe ich gebeten, uns in einigen Worte zu verraten, was einem in den letzten Wochen vor der Weihe so im Kopf herumgeht, wenn Gottes Gnade auf die menschliche Schwäche trifft.

Einer weiteren Gnade, der wir von Zeit zu Zeit bedürfen ist sicherlich ein erholsamer Sommerurlaub. Mit Beginn der Ferien wünsche ich Ihnen auch dazu die Gelegenheit zu finden.

hl. Petrus

Ihr P. Julius Kappel

© Priesterbruderschaft St. Petrus, Wien - Österreich